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In Anbetracht der vielen Menschen, die kaum das Nötigste zum Überleben haben, scheint Armut eine eindeutige Definition zu haben. Doch wer nur den Inhalt des Geldbeutels zum Gradmesser der Armut macht, der irrt. Ohne jemand verletzen zu wollen oder die Situation von Betroffenen schön zu reden – es gibt eine Armut jenseits des sichtbaren Elends. In meiner Tätigkeit bei der Ambulanten Behindertenhilfe habe ich oft damit zu tun.

Da erlebe ich Menschen, denen es finanziell nicht schlecht geht. Sie bekommen oft Unterstützung von Ämtern und können so der materiellen Armut entfliehen. Und trotzdem behaupte ich, dass viele von ihnen arm sind – arm an den Dingen, die Menschen ohne Behinderung oft im Überfluss haben.

Mangel an Freiheit und Selbstbestimmung

Menschen ohne Behinderungen können unkompliziert in ein Fitnessstudio gehen, in jedes Kino der Stadt, in Spaßbäder oder in die Sauna. Für Menschen mit Behinderung bedeutet dies oft einen unerhört großen Aufwand – oder es ist gar nicht erst möglich. Menschen ohne Behinderung können die meisten Dinge im Haushalt erledigen, wie und wann sie wollen. Viele Menschen mit Behinderung haben diese Freiheit nicht. Es gibt eben auch eine nicht-materielle Armut. Einen Mangel an Möglichkeiten, an Freiheit und Selbstbestimmung.

Jeder kann helfen und wird dabei selbst reicher

Diese Form der Armut ist schwer zu definieren. Sie lässt sich nicht wirklich statistisch erfassen oder durch Messwerte sichtbar machen. Es ist eine individuelle Form der Armut, die sich bei jedem Menschen anders äußert. Somit kann ihr sicher auch nur individuell begegnet werden.

Ehrenamtliche oder Angestellte in Wohlfahrtsverbänden, Ämtern und anderen Einrichtungen – viele kümmern sich um die Bedürfnisse von Menschen, die nicht allein mit ihrer immateriellen Armut fertig werden. Manchmal könnten es aber auch Sie oder ich sein, die zu dieser Armutsbekämpfung beitragen – im Kleinen wie im Großen. Helfen tut manchmal so gut, dass man selbst ein Stück reicher wird – wenn auch nicht materiell.

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3 Kommentare zu “Arm sein geht auch ohne finanzielle Not”

  1. Beate Schmitt sagt:

    gerade die von Dir erwähnte immaterielle Armut ist bei Behinderten ein wichtiger Punkt. Ich studiere Soziale Arbeit und würde Dich als Betreuer von Behinderten gern interviewen.

  2. Andreas Fuchs sagt:

    Es ist halt so.

  3. Andreas Fuchs sagt:

    Ich bewundere alle, die Bedürftigen selbstlos helfen. Hab es auch mehr als oft selbst getan, als ich dies mir noch leisten konnte. Aber wenn man selbst an dieser Grenze steht auf fremde Hilfe zurückgreifen zu müssen – ist man in dieser Gesellschaft eine Person non Grata. Warum soll man sich auch um jemanden bemühen, von dem einem keine öffentliche Danksagung erwartet.

    Hilfe zu geben ist toll – wenn man es öffentlich machen kann. Hilfe zu erhalten ist unmöglich, wenn es kein Spender für sein Image verwenden kann.

    Andreas