Neulich bei einer Grillparty im Schwarzwald. Freunde hatten eingeladen. Obwohl rund um die Hütte nichts los war, haben sich alle vergnügt. Die Kinder spielten im Wald, die Erwachsenen genossen das Handy-Funkloch. Alle waren auf den Moment und das Miteinander konzentriert. Am Grill wurde philosophiert: Was ist eigentlich das Wesentliche? Ist unser Leben nicht zu vollgestopft? Einige Partygäste gaben die Antwort auf ihre Weise. Sie hielten es nicht aus, nicht erreichbar zu sein und suchten einen Berg, wo die Handys wieder funktionierten.
Im Matthäusevangelium 5,3 heißt es: „Selig, die arm sind vor Gott. Denn ihnen gehört das Himmelreich.“ Wörtlich übersetzt heißt es, „selig, die arm sind im Geiste“. Dieser Satz klingt merkwürdig. Warum ist man selig im Sinne Jesu, wenn man arm im Geiste ist? Kann Armut ein Lebensziel sein? Für viele, die materiell arm sind, mag das zynisch klingen. Doch hier ist eine andere Armut gemeint. Armut bedeutet hier, sich auf das Wesentliche zu besinnen und offen zu sein auch für Gottes Botschaft in unserem Leben.
Mit wenig auskommen
Ordensleute wählen bewusst die Armut als eines der drei Gelübde. Ich habe auch einmal ein Jahr in einem Frauenorden gelebt. Vor dem Klostereintritt habe ich nur das Nötigste eingepackt – das, was mir wirklich wichtig war. Und ich habe in dem Jahr gemerkt, dass ich mit wenig auskommen kann – allerdings war ich voll materiell versorgt. Die Konzentration auf das Wesentliche in diesem Jahr fasziniert mich noch heute, auch wenn das Ordensleben dann doch nicht mein Weg war.
Sich fallen lassen und schauen was passiert
Selig, die arm sind vor Gott – dieser Satz heißt für mich auch, dass ich vor Gott nichts beweisen muss. Ich muss kein toller Hecht sein. Er nimmt mich an, wie ich bin. Ich kann ihm alles von mir offenlegen, auch die schwierigen Seiten. Allerdings ist dieser Satz keine harmonische Kuschelbotschaft. Denn sie bedeutet auch, dass ich von Gott nicht einfach das erwarten kann, was mir gerade passt. Gott ist nicht berechenbar. Wenn ich arm bin im Geiste, heißt das auch, dass ich darauf verzichte, alles in der Hand zu haben. Mir fällt das schwer. Arm sein vor Gott heißt aber dann vielleicht auch, sich selber fallen zu lassen und mal zu schauen, was passiert.
Konzentration aufs Wesentliche
Armut als Lebensziel – die Konzentration auf das Wesentliche. Für mich hieß das an diesem Wochenende zum Beispiel, dass ich nicht beim Frühstück machen geholfen habe, wie mein Helferinstinkt es eigentlich von mir verlangte. Sondern ich habe eine wunderbare Stunde mit meinem Patenkind genossen und mit ihr die Kaulquappen in dem Tümpel unterhalb der Hütte beobachtet. Es war nichts los, und es ist doch so viel passiert. Ich habe zum Beispiel mit ihr den ersten Feldhasen unseres Lebens aus der Nähe bestaunt! Das hat sich in jedem Fall gelohnt.








