20 Jahre nach dem Mauerfall ist Deutschland wieder geteilt. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Jeder Siebte ist in Deutschland armutsgefährdet. Das zeigen Caritas und Nationale Armutskonferenz bei einer Aktion am Brandenburger Tor. Sie ziehen eine symbolische Armutsgrenze quer über den Pariser Platz. Rund 200 Menschen stellen sich dahinter. Stellvertretend für die Arbeitslosen, Alleinerziehenden oder Rentner, die arm sind und an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.
Die meisten Aktivisten wissen, was es bedeutet, mit knapp 400 Euro monatlich über die Runden zu kommen. Sie wurden in ihrem Betrieb wegrationalisiert, konnten die Miete nicht mehr bezahlen und leben von Hartz IV. „Wir müssen auf die Straße gehen und die Menschen wachrütteln. Es geht so schnell, dass man abstürzt“, sagt eine der Teilnehmerinnen. Mit ihrer Meinung zum Sparpaket der Bundesregierung ist sie nicht alleine. „Es ist ein Skandal, dass wieder die bezahlen, die sowieso auf Hilfe angewiesen sind.“
Auch Caritas-Präsident Peter Neher kritisiert die aktuelle Politik als inakzeptabel und ungerecht. Er fordert die Bundesregierung auf, über einen höheren Spitzensteuersatz und eine Finanztransaktionssteuer die Schulden zu tilgen. Die meisten Menschen akzeptierten, dass gespart werden müsse, allerdings nur wenn das Sparpaket sozial ausgewogen sei.
Auf ein Signal hin überschreiten die Teilnehmer der Aktion die Armutsgrenze und gehen auf die Passanten rund um das Brandenburger Tor zu. Sie berichten von ihrem Leben in Armut und machen so viele nachdenklich. Eine Frau aus Leverkusen stellt fest: „Ich hatte noch nie so hautnah Kontakt mit Menschen, die im Winter nicht einmal das Geld haben ihre Wohnung zu heizen.“ Für sie ist am Ende der Veranstaltung klar, dass sie die Petition unterschreibt, mit der sich die Caritas europaweit für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzt.
Marc Boos
- Fotos der Armutsaktion auf facebook
- Video der Armutsaktion auf youtube
- Stimmen von der Armutsaktion (mp3)
- Politik muss Armut aktiv bekämpfen - Statement von Caritas-Präsident Peter Neher








