Ein wirklich herausforderndes Papier, das wir da in den letzten Tagen beraten haben: “Empfehlungen zur Förderung der Bildung von Kindern zwischen null und zehn Jahren in Tageseinrichtungen und Schulen in Nordrhein-Westfalen.” Nicht nur der Titel ist lang. Auf über 80 Seiten finden wir alles. Was jedoch fehlt, sind konkrete Aussagen darüber, was Tageseinrichtungen und Schulen tun sollen (oder wollen), um Kinder aus armen Familien zu fördern.
In dem Papier versucht die Landesregierung ein gemeinsames Bildungsverständnis für Kindergarten und Schule zu definieren und sie beschreibt konkret die Bildungs-Settings für einzelne Bildungsbereiche. Aber: Eine knappe Seite soll ausreichen, um die unterschiedlichen sozialen, kulturellen und persönlichen Startbedingungen zu beschreiben, mit denen Kinder in diesen Bildungsprozess hineingehen. Und das auch noch unter dem Titel “Für uns ist Vielfalt eine Chance”.
Benachteiligte Kinder brauchen eine besondere Förderung
Eines scheint in den konzeptionellen Überlegungen der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung zur Ausgestaltung der Bildungsarbeit in Schulen und Tageseinrichtungen keine besondere Rolle zu spielen: Die Tatsache, dass einige Kinder besonders gefördert werden müssen. Wenn sie zum Beispiel mit einer Behinderung leben müssen, aus sozial benachteiligten Familien kommen oder ihre Eltern aus dem Ausland zu uns gekommen sind.
Dabei müsste mittlerweile jedem klar sein, dass trotz aller Veränderungen immer noch der alte Grundsatz gilt: Eine abgeschlossene Ausbildung ist der beste Schutz vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Es gibt keine bessere Vorsorge gegen Armut als eine möglichst gute Bildung und Ausbildung.
Soziale Unterschiede ausgleichen statt verstärken
Tatsache ist allerdings, dass sich gerade sozial benachteiligte Familien und Familien mit Migrationshintergrund oft schwer tun, ihre Kinder entsprechend zu fördern und zu unterstützen. Wir müssen ihnen dabei helfen, und zwar so früh wie möglich – also in den Tageseinrichtungen und Schulen.
Im Gegensatz dazu setzt die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen mit ihren Empfehlungen den Trend fort, dass unsere öffentlichen Bildungseinrichtungen soziale Unterschiede eher verstärken als dass sie zum Ausgleich beitragen. Grund genug, daran zu zweifeln, dass Armutsprävention von Familien wirklich ein wichtiges Ziel der Landesregierung ist.








