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Armut macht krank. Der Druck wieder eine Arbeit finden zu müssen, das Gefühl ausgegrenzt zu sein, die ungesunde Ernährung – daran ändert auch unser gut ausgebautes Gesundheitswesen nichts. Die Lebenserwartung dieser Menschen ist um mehrere Jahre kürzer. Hier helfen keine Pillen, sondern nur bessere Zukunftsaussichten, Bildung und soziale Netzwerke, in denen sich die Menschen getragen fühlen. Wir brauchen eine Gesundheitsvorsorge, die die Menschen wirklich erreicht. Es genügt nicht, wie ein neues EU-Programm vorsieht, einmal pro Woche Äpfel in der Schule zu verteilen.

Kinder und ihre Familien brauchen Unterstützung, dass sie lernen sich gesund und kostengünstig zu ernähren. Sie müssen wieder neu lernen, wie viel Spaß es macht, draußen etwas gemeinsam zu unternehmen. Gesundheitsvorsorge arbeitet zu oft mit Schuldvorwürfen, statt Lebenslagen nachhaltig zu verändern.

Rationierung im Gesundheitswesen trifft die Ärmsten

Doch damit ist das Problem nicht gelöst. Denn es gibt schon heute eine schleichende Rationierung im Gesundheitswesen. Manche Patienten bekommen nicht mehr das, was sie aus Sicht der Medizin oder Pflege brauchen. Sie werden zu früh aus dem Krankenhaus entlassen. Sie erhalten das billigere Medikament, auch wenn es mehr Nebenwirkungen hat. Sie hören immer häufiger, dass das Budget des Hausarztes ausgereizt ist.

Solidarität endet bei der Gesundheit

Die Zwei-Klassen-Medizin ist Alltag in Deutschland. Gutverdienende werden bestens versorgt, sofern sie Mitglied einer privaten Krankenversicherung sind. Diese locken gesunde junge Menschen mit guten Einkommen mit niedrigen Tarifen. Dafür müssten die privaten Krankenkassen aus meiner Sicht aber mehr zum finanziellen Risikoausgleich bei den gesetzlichen Versicherungen beitragen. Doch an diese Frage der Solidarität wagt sich die Politik seit Jahren nicht ernsthaft heran.

Neue Konzepte für ein gerechtes Gesundheitswesen

Politisch darf man auch über die Rationierung nicht diskutieren. Wer sich damit in die Öffentlichkeit wagt, wird gleich mündlich geohrfeigt. Doch wegschauen und wegducken hilft nicht weiter. Unser Gesundheitswesen gerät an seine finanziellen Grenzen. Der Kostendruck wird aufgrund der Bevölkerungsentwicklung noch steigen. Wir müssen uns als Gesellschaft damit auseinandersetzen, wie wir uns ein gerechtes Gesundheitswesen in der Zukunft vorstellen und finanzieren wollen. Sonst besteht die Gefahr, dass Menschen, die arm, alt oder chronisch krank sind, die ersten Opfer von Rationierung werden und eine Drei-Klassen-Medizin entsteht.

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