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Dr. Oliver Müller

Brot gehört nicht in den Tank

Geschrieben von am 3. Mai 2010
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Keine Lebensmittel in den Tank (c) © klick - Fotolia.comEs klingt so einfach: Wenn die Ölreserven zu Ende gehen, produzieren wir das Benzin einfach selbst. Wir pflanzen Mais oder Ölfrüchte, produzieren daraus Alkohol und Agrotreibstoff – und schon ist die Zukunft des Verkehrs gesichert. Die Europäische Union hat die Grundlagen dafür bereits gelegt. Zehn Prozent des Treibstoffverbrauchs sollen ab dem Jahr 2020 aus landwirtschaftlicher Produktion kommen. Allerdings hat diese scheinbar sinnvolle ökologische Alternative eine Kehrseite, die unsere Politiker gerne verschweigen.

Auf europäischen Feldern ist nicht genug Platz, um den immensen Bedarf an Agrartreibstoffen zu decken. Daher müssen die Rohstoffe in anderen Regionen der Welt angebaut werden. Schon jetzt entstehen in Indonesien riesige Palmöl-Plantagen, in Südamerika werden ganze Landstriche mit Zuckerrohr bepflanzt.

Konzerne bewirtschaften Felder – Einheimische gehen leer aus

Was das für die Menschen dort bedeutet, haben wir kürzlich hautnah erfahren. Auf Einladung von Caritas international waren im März rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen zu Gast in Freiburg. Darunter auch Bischof José Luis Astigarraga aus Peru, der in der Amazonasregion Yurimaguas mit dem Thema konfrontiert ist: „Bis jetzt sind 10.000 Hektar mit Ölpalmen bepflanzt, die Konzession besteht aber für 60.000 Hektar – und das wird auch ausgenutzt. Außerdem wird in der Gegend Hochamazoniens bereits Soja für Agrotreibstoff angebaut.“ Die riesigen Flächen werden von einem einzigen Konzern bewirtschaftet. Die Menschen der Region haben dadurch weder Arbeit noch finanzielle Gewinne. Im Gegenteil: Die Flächen, auf denen sie bislang Ackerbau betrieben haben, die sie ernährt haben, werden jetzt für Pflanzen genutzt, die zu Treibstoff verarbeitet werden.

Unsere Mobilität darf nicht andere Menschen hungern lassen

Ich bin mir sicher, das ist der falsche Weg aus der Energiekrise. Wir dürfen unsere (auto)mobile Gesellschaft nicht auf Kosten anderer fortsetzen. Wir haben uns daher an der Initiative „Brot im Tank“ beteiligt, die sich gegen den Import von Agrotreibstoffen wendet. Und wir haben schon vor drei Jahren das Buch „Volle Tanks – leere Teller“ zu diesem Thema herausgegeben. Beide Slogans deuten an, worum es Caritas international geht: Die Umstellung auf „Bio-Diesel“ darf weder zulasten der Umwelt gehen, noch darf sie dazu führen, dass es Menschen irgendwo auf der Welt an Nahrungsmitteln mangelt, weil auf ihren Feldern Rohstoffe für Benzin angebaut und produziert werden.

Volle Tanks – leere Teller – Lesen Sie mehr dazu bei Caritas international

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