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Ich begleite die Klienten an die Tür. Ein junges Pärchen mit einem kleinen Jungen. Auf der Treppe dreht sich die Frau lächelnd um: „Danke, ohne Sie hätten wir das nicht geschafft.“ Ich denke an unsere erste Begegnung. Vor etwa zehn Monaten erzählte sie mir völlig resigniert ihre Geschichte. Ihr Mann hatte versucht der Arbeitslosigkeit zu entkommen, indem er sich selbständig machte. Eine Weile ging es gut. Arbeit gab es ohne Ende, aber zwei, drei unbezahlte Rechnungen von größeren Kunden – und schon wurde aus dem Traum von der eigenen Firma ein Albtraum.

Es fehlten die Rücklagen um die Finanzlücke zu überbrücken, es fehlte an Zeit, Geld und Möglichkeiten, die Forderungen einzutreiben und so blieb der Mann selbst auf Verbindlichkeiten sitzen, die er nicht bezahlen konnte: Finanzamt, Krankenkasse, IHK, Telefongesellschaften, Vermieter, Energiewirtschaft, Lieferanten und, und, und. Er wusste nicht, wie es weiter gehen sollte. 

Das Geld vom Mund abgespart

 Seine Frau hielt zu ihm und versuchte, mit allen Gläubigern Vereinbarungen, Ratenzahlungen oder Stundungen zu erreichen. Viele Jahre sparten sie sich das Geld vom Mund ab und zahlten jeden Monat pünktlich die vereinbarte Rate – und wenn es einmal nicht ging, riefen sie sofort beim Gläubiger an. Sie hofften, irgendwann die Schulden los zu werden. Doch die Verbindlichkeiten wurden nicht entscheidend weniger. Im Gegenteil, manche Forderung hatte sich sogar erhöht, da die Rate oft nicht mal die Zinsen deckte.

Mit Scham und Schuldgefühlen zur Schuldnerberatung

Die junge Frau konnte nicht mehr richtig schlafen, dachte nur noch an das Geld, die Schulden und ihre Ohnmacht. Sie hatten inzwischen ein Kind bekommen und setzten auch das Erziehungsgeld mit ein. Er hatte Arbeit, erhielt Lohn, aber unter der Pfändungsfreigrenze – gezahlt haben sie trotzdem. Im Winter wurde er manchmal arbeitslos, da ging dann gar nichts mehr und nun hatte ein Gläubiger auch noch das Konto gepfändet. Durch Zufall lasen sie einen Artikel über unsere Caritasberatungsstelle und suchten den Kontakt. Für Frau U. war das ein schwerer Schritt. Scham und Schuldgefühle belasteten. Heute ist sie froh, damals den Mut (der Verzweiflung) gehabt zu haben.

Gläubiger setzen Schuldner unter Druck

Ähnliche Geschichten höre ich immer wieder. Menschen geraten teilweise unverschuldet in finanzielle Nöte. Gründe gibt es viele: Schicksalsschläge, Schulden des neuen Partners, Unwissenheit gegenüber finanziellen Angeboten oder schlechte Haushaltsführung. Die Menschen wissen nicht, wie sie da wieder herausfinden sollen. Durch die Gläubiger und deren Inkassomaschinerie werden sie oft massiv unter Druck gesetzt, oft kennen sie ihre Rechte nicht.

In drei Jahren alle Schulden getilgt

Wenn diese Menschen in die Beratungsstelle kommen, können wir in vielen Fällen helfen – vorausgesetzt, die Klienten wollen es. Und Frau U. wollte. Sie sagte, dass es ihr bereits nach dem ersten Gespräch viel besser ging. Endlich konnte sie jemand ihre Sorgen erzählen. Aufgrund ihrer guten Vorarbeit konnten wir auch schnell eine solide Haushaltsplanung durchführen und den Betrag festlegen, der an die Gläubiger maximal längerfristig zahlbar war. Ich habe ihr erklärt, welche Rechte sie haben und was die nächsten Schritte sind. Die Verhandlungen mit den Gläubigern waren erfolgreich. Frau U. konnte gar nicht glauben, dass in knapp drei Jahren nun alle Schulden getilgt sein sollten, nachdem sie schon so lange gezahlt hatte.

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2 Kommentare zu “Geld, Schulden und Ohnmacht”

  1. Freddie sagt:

    mir gefällt dieser Blog hier auch sehr gut, vorallem finde ich ihn gut aufgebaut und sehr informativ. daher habe ich ihn auch gebookmarkt ;-)

  2. Endlich mal ein Blog, der echte informative Artikel liefert. Bedauerlicherweise ist hierzulande die Blogkultur nicht groß vorhanden, hier hat der User aber einen echten Mehrwert. Ich finde auch teilweise die Kommentare sehr interessant. Da sieht man, dass sich jemand wirklich Mühe gemacht hat.