« In Armut wird das Leben zur Realsatire Für seine Schulden ist (fast) jeder selbst verantwortlich »

Wir haben Wochenende, es ist Freitagnacht, der Wind pfeift ums Haus und ich kann nicht schlafen. Die Woche war extrem anstrengend und bei mir rattern die Gedanken durch den Kopf. Sie machen Angst, möchte euch so viel erzählen. Möchte erzählen, wie es bei mir aussieht. Wo fange ich an? Vielleicht bei der Frage, weshalb ich mich habe filmen lassen.

Ich habe lange überlegt, ob ich es zulasse mich so öffentlich zu öffnen. Habe mit meinen Kindern gesprochen und bin zu einen Entschluss gekommen: Ja, ich will es euch erzählen, weil es für mich wichtig ist. Es ist meine persönliche Psychotherapie auf einer anderen Art, denn die üblichen habe ich reihenweise hinter mir. Meine Hoffnung ist, dass die Angst und die seelischen Nadelstiche (es sind eigentlich schon Messerstiche), die ich jeden Tag in meinem Körper spüre, verblassen.

Ich bin mit mir und anderen schlecht umgegangen

Vielleicht werden manche denken, tja selber Schuld. Mein Leben war immer wie auf einer Achterbahn, schon alleine durch meine Sucht, meinen Männern, meinem Unfall 1982, meinem Umfeld und meinem Handeln. Jahrelang bin ich mit mir und dadurch auch mit meinem Umfeld sehr schlecht umgegangen, was dadurch entstanden ist, zeigt das Video minimal. Mein Traum ist es, einen Film oder ein Buch darüber zu schreiben, um zu zeigen, wie schwer es ist, wenn man einen Weg einschlägt, an dem man zerbricht und dass der Kampf fast nicht zu gewinnen ist, wieder in ein normales Leben zu kommen.

Meine Kinder sollen ohne Drogen durchs Leben gehen

Im Moment habe ich das Gefühl, ich ersticke daran und funktioniere nur noch. Meinen Kindern möchte ich zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen ohne sich in Drogen oder Alkohol zu flüchten, dass Bildung und das soziale Umfeld wichtig sind. Bei drei von ihnen ist es mir gut gelungen, obwohl sie zuviel von meinen Leben mit bekamen. Bei meinem Ältesten habe ich den Fehler gemacht, dass ich zum Ausgleich meiner Fehler, ihm zuviel abgenommen habe, ihm den Weg  in ein selbstständiges Leben nicht gezeigt habe. Er kennt gar keine Pflichten, sondern sieht nur seine Rechte und die zieht er konsequent durch – ohne Rücksicht auf Verluste.

Mein Leben beeinflusst das meiner Kinder

Er ist 30 und lebt in meinem Keller und bekommt nichts auf der Reihe, möchte nichts mit seiner Familie zu tun haben und gibt mir die Schuld an seinem Leben. Nächste Woche tagt bei mir und meinen Kids der Familienrat, denn so kann es nicht mehr weitergehen. Mut, einen anderen Weg zu gehen um einen neuen Anfang anzugehen, muss auch ich erst lernen. Man denkt gar nicht nach, wenn die Kinder klein sind, wie mein Leben, mein Verhalten ihres beeinflusst.

Wie soll ich die Bildung meiner Kinder finanzieren?

Ich habe euch dies erzählt, weil wir täglich in dieser Gesellschaft, im Fernsehen und anderen Medien sehen können, wie es ist, wenn Jugendliche Kinder kriegen, wie unsere Jugend immer brutaler wird, die Schule nicht beenden und Eltern sich selbst aufgeben. Ich möchte, dass meine Kinder eine gute Bildung erreichen auch wenn ich bis heute noch nicht weiß, wie ich diese bezahlen soll, denn ich lebe nicht von Hartz IV und muss daher alles von meiner Rente bezahlen.

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1 Kommentar zu “Gute Bildung für meine Kinder – unbezahlbar”

  1. Stephanie Hammer sagt:

    Ich kann diese Probleme, vor allem das der emotionalen und körperlichen Überbelastung, gut nachvollziehen. Prekäre Arbeitsverhältnisse und Ausbeutung machen auf Dauer krank. Vor allem ärgert es mich, dass ärmere Menschen immer mit irgendwelchen Schuldzuweisungen zu kämpfen haben.