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Blauhelme sichern die Ausgabe von Lebensmitteln in Haiti (c) Caritas internationalDo no harm. Richte keinen Schaden an! Das ist eine der wichtigsten Regeln der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Ein Grundsatz, den wir uns täglich vergegenwärtigen, seit auf Haiti die Erde bebte und unsere Mitarbeitenden dort helfen. Richte keinen Schaden an! Ich gebe zu, das klingt seltsam, wenn man die Fernsehbilder eines weitgehend zerstörten, von Armut geprägten Landes vor Augen hat. Ist da nicht jede Hilfsaktion besser als nichts zu tun? Die Antwort lautet: Nein.

Gut gemeint ist nicht immer gut geholfen

Auch Hilfe in größter Not braucht Qualität. Das hat nicht zuletzt der Tsunami gezeigt. Dieser hatte 2004 eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. 674 Millionen Euro wurden allein in Deutschland gespendet. Aber nicht jede Hilfe, die damit geleistet wurde, war sinnvoll und nachhaltig. Ein Beispiel: Durch den Tsunami hatten viele Fischer ihre Boote und damit ihr Einkommen verloren. In bester Absicht spendeten ihnen viele Organisationen neue Boote. Mit welcher Konsequenz? Überfischte Fanggründe, zerstrittene Fischergemeinschaften, sinkende Preise und geringere Einkommen. Hätte man sich mit den Fischern besprochen, wäre das nicht passiert.

Blauhelme und Soldaten sind keine Dauerlösung

Die Gefahr einer solchen „Hilfe von oben“ ist in Krisensituationen immer gegeben. Auch auf Haiti waren UN-Blauhelme, US-Soldaten und zahlreiche Hilfsorganisationen binnen weniger Stunden und Tage vor Ort, verteilten Trinkwasser, Nahrungsmittel, Zelte und behandelten Verletzte. Doch was in den ersten Wochen Leben rettet, darf nicht zur Dauerlösung werden. Die nun folgende Wiederaufbauphase muss „von unten“, aus der Bevölkerung Haitis wachsen.

Einheimische wissen, was die Menschen in Haiti brauchen.

Einheimische wissen, was die Menschen in Haiti brauchen.

Die Menschen Haitis müssen den Wiederaufbau tragen

Für uns von der Caritas hat deshalb die Unterstützung haitianischer Partnerorganisationen oberste Priorität. Wir unterstützen zum Beispiel Kirchengemeinden und andere zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die Partner vor Ort mit ihren einheimischen Mitarbeitern sind es, die Hilfe koordinieren sollen, denn sie kennen die Kultur ihres Landes und die Bedürfnisse der Bevölkerung. Unmittelbar von der Katastrophe betroffene Menschen müssen die Möglichkeit erhalten, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. In „cash for work“-Projekten (Bargeld für Arbeit) beteiligen sie sich aktiv am Wiederaufbau, werden dafür entlohnt und können so ihr Überleben und das ihrer Familien sichern.

Die Menschen vor Ort in Hilfsmaßnahmen einzubinden, mag aufwändig und zeitintensiv sein, die konkreten Ergebnisse aber haben Bestand. Wenn wir in einigen Jahren unsere Wiederaufbauprojekte abschließen, wollen wir kompetente, lokale Partner und Strukturen hinterlassen, die sich selbst tragen.

>> So hilft Caritas international in Haiti
>> Tagebuch des Caritas-Projektleiters Jörg Kaiser aus Haiti

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1 Kommentar zu “Wie der Wiederaufbau Haitis scheitern kann”

  1. wölkchen sagt:

    das tut mir wirklich leid …