Auch junge Menschen leben in Deutschland an und unter der Armutsgrenze. Manche haben sich ihre Situation zu einem Großteil selbst eingebrockt. So wie Claudia H. Die 22-Jährige ist blind vor Liebe und gibt für den Freund weitaus mehr Geld aus, als sie hat. Nach der Trennung schlägt die Schuldenfalle zu, das Leben auf Pump endet im Fiasko. Mittlerweile hat Claudia allerdings wieder einen Job und die Privatinsolvenz macht ihr auch Hoffnung auf ein schuldenfreies Leben.
Ich bin Claudia H. und 22 Jahre alt. Kindheit und Pubertät waren für mich sehr schwierig, geprägt von falschen Freunden, Diebstahl und viel Ärger mit den Eltern. Aber ich habe mich dann gefangen, machte meinen qualifizierten Hauptschulabschluss als Klassenbeste und fand sehr schnell einen Ausbildungsplatz zur examinierten Sozialbetreuerin. Nebenbei holte ich meinen Realschulabschluss nach und beendete meine Ausbildung sehr gut. Leider fand ich keinen Job, der zu mir passte und musste einen Ein-Euro-Job nach dem anderen machen. So vergingen stolze vier Jahre und was dann kam, war zunächst nicht besser.
ARGE sorgt für Arbeit weit weg von zu Hause
Eines Tages bekam ich Post von der ARGE mit einem Jobvorschlag viele hundert Kilometer von meinem Heimatort entfernt. Ich dachte mir nichts dabei und bewarb mich. Eine Woche später forderte mich die ARGE auf, innerhalb von zwei Tagen dort mit der Arbeit als Altenpflegehelferin anzufangen. Ich hatte leider keine andere Wahl und suchte mir auf dem schnellsten Weg eine Wohnung und zog nach Mannheim.
Ausbeutung durch Zeitarbeit
Mein Arbeitgeber war eine Zeitarbeitsfirma. Die hat mich stark ausgebeutet und ließ mich für sechs Euro die Stunde sehr viel arbeiten. Nach einem Arbeitsunfall und zwei Wochen krank sein bekam ich die Kündigung. Also fing das Theater wieder an. Das erste, was ich bei der ARGE gesagt bekam, war, ich soll wieder zurück zu meinen Eltern nach Thüringen ziehen. Prima, oder?
Leben auf Pump endet im Fiasko
Nach drei Wochen hartem Kampf mit der ARGE haben sie endlich meinen Hartz-IV-Antrag angenommen und bearbeitet. Ich musste auch gleich einen Eurojob machen, plus Bewerbungstraining. Nach einem guten Hoch kam leider wieder ein schweres Tief auf mich zu: meine Schulden. War damals leicht zu beeinflussen und habe meinen Ex-Freund die komplette Wohnung neu eingerichtet auf Pump, diverse Klamotten bestellt und Händyverträge abgeschlossen, mein Konto in die Miese getrieben usw. Die Mahnungen flatterten jeden Tag ins Haus. Irgendwann habe ich keinen Ausweg mehr gesehen und mir eine Schuldnerberatung gesucht. Und die konnten mir schnell helfen. Ich war so glücklich dass die Privatinsolvenz gleich eröffnet werden konnte. Und ich bereue diesen Schritt auch nicht, aus 3.500 Euro sind nach über fünf Jahren 8.000 Euro geworden und ich hatte jeden Tag große Angst den Briefkasten zu öffnen und es hat mich psychisch aufgefressen.
Ohne fremde Hilfe kommt man nicht von den Schulden runter
Nach zwei Monaten Arbeitslosigkeit fand ich wieder einen Job. Der ist unbefristet und in einem Pflegeheim. So kann den meinen Beruf ausüben, den ich gelernt habe. Nach sechs Jahren bin ich dann schuldenfrei und auch ein neuer Mensch. Eins habe ich gelernt: Dass ich mir nur das leisten kann, wo ich auch das Geld dazu habe und ich nie wieder Schulden machen will. Man verbaut sich das ganze Leben mit Schulden und die Gläubiger lassen einen nicht in Ruhe und setzten einen sehr unter Druck und es wird jeden Tag mehr Geld. Ohne fremde Hilfe ist es sehr schwer wieder raus zu kommen, wenn man das nötige Kleingeld nicht dazu hat.
Claudia H. schrieb ein halbes Jahr lang auf, wie sie ihr leben meistert.








