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Die Krippe im Stall von Bethlehem war ein Ort für die Armen. Die bequemeren Plätze waren alle ausgebucht. 2010 Jahre später sind Krippenplätze begehrte Orte einer privilegierten Gruppe. Für viele arme Kinder sind sie heute unerreichbar. Daran wird wohl auch die Schaffung neuer Krippenplätze kaum was ändern.

Bis zum Jahr 2013 sollen bundesweit 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz haben. Auf diese Quote hat sich die Regierung festgelegt. Bei uns in Niedersachsen müssen dafür 45.000 neue Plätze in Krippengruppen und in der Tagespflege geschaffen werden. Ein ambitioniertes Projekt, auch wenn der wirkliche Bedarf wohl doppelt so hoch ist.

Wer schnappt sich die knappen Krippenplätze?

Die spannende Frage lautet deshalb: Wer kommt eigentlich in den Genuss des Angebotes, wenn Krippenplätze knapp bleiben? Die Migrationsbeauftragte hat vor einigen Monaten darauf hingewiesen, dass derzeit nur 73,5 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund eine Kindertagesstätte besuchen. Bei den deutschen Kindern sind es bundesweit 88,7 Prozent.

Viele Grundlagen werden in Kitas gelegt

Dabei weisen Wissenschaftler immer wieder darauf hin, wie wichtig die Kitas für den Spracherwerb sind und wie positiv sich ihr Besuch auf den späteren Bildungsverlauf auswirkt. Kindergärten und Krippen vermitteln Persönlichkeits- und Lernkompetenzen, die grundlegend sind für alle weiteren Bildungsprozesse. Sie schaffen elementare Zugänge zu Musik, Kunst, Schrift, Naturwissenschaft und Religion – und das kindgemäß im Spiel. Der Kindergarten unterstützt die Kinder in ihrer Auseinandersetzung mit der Welt.

Kitas sind ein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit

In der Kita können Benachteiligung und defizitäre Lebenslagen früh erkannt und Gegenmaßnahmen entwickelt werden. Insofern liefern sie einen zentralen Beitrag zur Bildungs- und Chancengerechtigkeit. Doch ich gehe davon aus, dass es Eltern aus armen Verhältnissen auch künftig schwer fällt, für ihre Kinder einen Platz in einer Krippe zu finden. Deshalb müssen wir müssen uns verstärkt um die Kinder kümmern, die die Kitas derzeit nicht erreichen. Bei uns in Niedersachsen sind das etwa 15 Prozent!

Übrigens: Werfen Sie in Ihrer Stadt mal einen Blick auf die räumliche Verteilung der Krippengruppen. Sie werden diese eher in den gut bürgerlichen Stadtteilen finden als in den sozialen Brennpunkten. Klar, auch hier behaupten sich durchsetzungsstarke Bevölkerungsgruppen.

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