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Alexander Döhring

Menschen mit Behinderung droht die Armut

Geschrieben von Alexander Döhring am 12. April 2010
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Ich habe täglich mit Menschen mit Behinderung zu tun. Ich betreue und unterstütze sie zu Hause. Fast alle bekommen entweder Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder eine so schmale Rente, dass sie am Existenzminimum leben. Für mich ist das kein Zufall. Neben eventuellen soziologischen Hintergründen glaube ich, dass Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft sehr schnell an den finanziellen Rand gedrängt werden.

Hilfeempfänger werden zu Bittstellern

Jeder Bürger ist in unserem Land angehalten, zunächst sein Erspartes aufzubrauchen, bevor er eine Leistung des Staates erwarten kann. Das klingt für mich zunächst auch logisch. Aber kann man das tatsächlich 1:1 auf jeden Menschen in diesem Land festlegen? Mein Verstand und meine Menschenkenntnis sagen mir, dass kaum jemand gerne am finanziellen Existenzminimum leben möchte – und schon gar nicht die Menschen, die ohne eigenes Verschulden in so eine Situation geraten sind. Trotzdem werden sie nicht selten so behandelt, als könnten sie etwas dafür. Sie werden zu Bittstellern, müssen ihre komplette Vita offenbaren und alles, was jeder von uns zu schützen versucht. Unter Umständen müssen sie sich auch noch dafür rechtfertigen. Ist das wirklich sozial und gerecht?

Hilfsmittel werden nicht finanziert

Hinzu kommt, dass Menschen mit Behinderung erheblich mehr Ausgaben haben als Menschen ohne Behinderung. Ein einfacher Rollstuhl kostet schon etwa 350 Euro. Diese Kosten übernimmt meist noch die Krankenkasse. Aber sobald es um Hilfsmittel geht, die „nicht zwingend erforderlich“ sind, den Alltag des Menschen mit Behinderung aber erheblich erleichtern könnten, muss der Betroffene meist selbst in die Tasche greifen. Wohlgemerkt geht es dabei nicht um Luxusgüter.

Keine Chancengleichheit bei der Bekämpfung von Armut

Ich bin der Meinung, dass zu wenig differenziert wird. Meine Erfahrung ist auch, dass sich Ämter und Behörden oft sehr viel Zeit für die Prüfung bestimmter Zuwendungen oder Zuständigkeiten nehmen – aber oft nur um zu prüfen, ob überhaupt ein Anspruch besteht. Neben dieser materiellen Armut kommt oft die immaterielle Armut dazu, das Alleinsein, die fehlenden sozialen Kontakte, die fehlenden kulturellen Möglichkeiten usw. Viele Initiativen, Angehörige, Verbände und Vereine bemühen sich um Chancengleichheit. Das funktioniert an vielen Stellen auch sehr gut. Was aber die Bekämpfung der Armut bei Menschen mit Behinderung angeht, bestehen meiner Meinung nach noch lange nicht die gleichen Chancen, die für eine Bewältigung aber zwingend nötig sind. Eine Behinderung ist aus meiner Sicht ein hohes Armutsrisiko – und das ist ungerecht und nicht sozial.

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