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Mahnung (c) fotoliaWer sich in einer finanziellen und psychischen Notlage befindet, greift schnell zum scheinbar rettenden Strohhalm. Überschuldete oder hochverschuldete Familien werden deshalb immer häufiger Opfer von skrupellosen Geschäftsleuten. Neben den staatlich anerkannten Schuldnerberatungen agieren zunehmend unseriöse, teils kriminelle Anbieter auf dem Markt. Diese sind schnell enttarnt, wenn man weiß wie.

Geschäfte mit der Armut

Mit Kleinanzeigen oder per Post erwecken die Anbieter den Anschein, Helfer in der Not zu sein. Sie werben mit Slogans wie: „Schulden?“, „Kredit abgelehnt?“, „Finanzierung ohne Wartezeiten“ oder „Sie zahlen nur noch eine Rate an eine Stelle“. Mehr als 270 Werbeanzeigen von Schuldenregulierern und etwa 60 von Kreditvermittlern standen innerhalb von vier Tagen in Zeitungen, Zeitschriften und Anzeigenblättern. Das ergab eine bundesweite Recherche der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV). Die Angebote und Versprechen reichen von Kreditvermittlung, Bargeld, Telefonberatung, Einkommensverwaltung, Schuldenregulierung, Schuldenbefreiung bis zur Insolvenzantragstellung. Teilweise bieten Schuldenregulierer dann auch den Zugang zum Verbraucherinsolvenzverfahren und zur Restschuldbefreiung an.

Unseriöse Schuldenregulierer enttarnen

Es wundert nicht, dass Menschen, die aufgrund ihrer Schuldenberge nicht mehr ein und aus wissen, solche Angebote dankend annehmen. Doch in den meisten Fällen profitiert davon nur einer: der Schuldenregulierer. Er nutzt die schwierige Lage der Menschen aus. Oft haben solche Anbieter nicht einmal ein Büro und bieten deshalb den Hausbesuch an. Schon da sollte man stutzig werden. Auch wenn plötzlich Originalunterlagen gefordert werden. Seriösen Anbietern genügen Kopien. Wer eine Schuldenregulierung anbietet, braucht außerdem eine Erlaubnis nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz oder die staatliche Anerkennung nach der Insolvenzordnung. Wer die nicht vorlegen kann, scheidet als Berater definitiv aus.

Grundsätzlich gilt: Wer finanzielle Probleme hat, sollte zur örtlichen Schuldnerberatung gehen, eine Verbraucherzentrale aufsuchen oder sich anwaltlich beraten lassen. Die Adressen gibt es bei Stadt- und Kreisverwaltungen und auf www.forum-schuldnerberatung.de oder www.meine-schulden.de.

Aktionswoche gegen Unterbesetzung der Schuldnerberatung

Problematisch ist, dass die Schuldnerberatungsstellen personell unterbesetzt sind. Das führt zu langen Wartezeiten und treibt überschuldete Menschen oft in die Hände von unseriösen Geschäftemachern. Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände wird auf diesen Missstand vom 21. bis 25. Juni in einer bundesweiten Aktionswoche aufmerksam machen. „Geschäfte mit der Armut“ lautet der Slogan, der im Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut wachrütteln soll.

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4 Kommentare zu “Nepper, Schlepper, Schuldenregulierer …”

  1. Marius Stark sagt:

    In diesem konkreten Fall hat der Caritasverband keine Kosten vom Klienten verlangt, sondern den Sozialleistungsträger aufgefordert die Kosten der Beratung zu übernehmen. Dies hat das Bundessozialgericht in letzter Instanz abgelehnt. Das Urteil bedeutet für alle Erwerbsfähigen, die keine Leistungen von der ARGE erhalten, dass sie Kosten für eine “präventive” Schuldnerberatung selbst tragen müssen. Die Aussage des Gerichts, dass “von einem erwerbsfähigen Nichthilfebedürftigen … erwartet werden (kann), dass er auf eigene Kosten präventive Maßnahmen ergreift, um den Eintritt von Hilfebedürftigkeit zu vermeiden und seine Erwerbstätigkeit beizubehalten” ist in meinen Augen für SchuldnerInnen mit unpfändbaren Einkünften eine besondere Härte. Zudem dürfte diese Aussage vor allem von gewerblichen Anbietern aufmerksam zur Kenntnis genommen werden.

    Die Caritas wird auch weiterhin alles dafür tun, dass für ver- und überschuldeten Menschen die Beratung kostenfrei bleiben kann.

  2. Gabi Brandtner sagt:

    Nun, das mit den mehr als 99% kostenfrei wirkt unglaubwürdig. Mit heutigem Urteil des Bundessozialgerichts wird darauf hingewiesen, dass die Caritas im beschriebenen Fall schlappe EUR 400,– für Kosten und Beratung verlangt hat (trotz Fördergelder wohlgemerkt). Hier der Link zum anklicken: http://www.ad-hoc-news.de/schuldnerberatung-fuer-erwerbstaetige-nicht-auf-staatskosten–/de/News/21471977. Es werden wohl vielleicht 50% der Stellen keine Gebühren verlangen. Die Prozentzahl ist letztlich auch unerheblich. Fest steht, dass Stellen der Caritas Gebühren verlangen (und nicht wenig wie man sieht) und dies kommt daher eindeutig kommerziellen Charakter gleich oder wie die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberater der Verbände sagt: VORSICHT vor solchen Stellen!

  3. Marius Stark sagt:

    Die Caritas hat bundesweit fast 300 Schuldnerberatungsstellen, die zu mehr als 99 Prozent die Beratung für die Klienten kostenfrei anbieten. Wir haben uns bereits vor zehn Jahren auf allen Ebenen des Caritasverbandes intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt und 2002 einen Beschluss gefasst, in dem wir eine finanzielle Beteiligung der Ratsuchenden an den Kosten der Sozialberatung für Schuldner ablehnen.
    Als verantwortlicher Referent der Arbeitstelle Sozialberatung für Schuldner in der verbandlichen Caritas werde ich diesen konkreten Fall zum Anlass nehmen mit den Verantwortlichen in der Diözese München/Freising in Kontakt zu treten, damit das Verhalten des Caritasverbandes Mühldorf geprüft und wenn möglich die Finanzbeteiligung durch Klienten beendet wird.
    Marius Stark

  4. Gabi Brandtner sagt:

    Der Deutsche Caritasverband gehört der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände an.

    Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände weist ausdrücklich darauf hin,

    -dass Schuldnerberatung generell kostenlos ist
    -urteilt, dass eine solide Beratungsstelle nach dem Grundsatz arbeitet, dass eine Beratung generell kostenfrei ist
    -weist darauf hin, dass Vorsicht geboten ist, wenn von Schuldnern Bearbeitungsgebühren verlangt werden

    Merkwürdig, dass die Caritas neuerdings selbst hohe Gebühren verlangt. Wie dem Artikel des „Münchner Merkur“ vom 31.05.2010 zu entnehmen ist (siehe gegen Ende des Artikels unter folgendem Link: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/raus-schuldenfalle-786749.html) verlangt die Caritas Gebühren für die Beratung. Von pädagogischem Charakter kann hier keine Rede sein, denn hat ein Schuldner beispielsweise 30 Gläubiger (was mittlerweile keine Seltenheit mehr ist), so fallen für den Hilfe suchenden Bürger EUR 600,– Bearbeitungsgebühren für die Caritas an.

    Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberater der Verbände weist aber ausdrücklich darauf hin, dass nur kommerzielle Schuldenregulierer Gebühren verlangen.

    Konsequenterweise müsste die Caritas aus der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände austreten.

    Ferner müsste die Anerkennung als geeignete Schuldnerberatungsstelle nach § 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO widerrufen werden. Schließlich erhält die Caritas Fördergelder von der Regierung von Oberbayern je Insolvenzfall, ab 16 Gläubiger EUR 675,– pro Fall. Zusätzlich werden aber nun Gebühren verlangt, was eindeutig kommerziellen Charakter gleich kommt.

    Bei der bundesweiten Recherche der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) wurde die Caritas slbst offensichtlich “vergessen”.