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„Ich werde sowieso Hartz IV.“ Wenn bereits Grundschüler diese Perspektive für ihr Leben äußern, sollten unsere Alarmglocken läuten. Die Bildungschancen für Kinder aus armen Familien sind schlecht. Diese Erkenntnis ist ebenso wenig neu wie die Lösungen für dieses Problem. Den Worten müssen endlich Taten folgen.

Popstar, Ärztin, Rennfahrer oder Fußballer zu werden – davon träumen alle Kinder. Für die meisten bleibt das ein Traum. Doch Kinder aus armen Familien können nicht einmal damit rechnen später einen guten Job zu bekommen. Ihre Schulnoten sprechen dagegen. Gründe hierfür gibt es viele: Mal sind es schlechte Deutschkenntnisse, die fehlende Förderung durch die Familie oder auch, dass man dem Kind in der Schule wenig zutraut. Hinzu kommt, dass unser Schulsystem früh aussortiert: Die Guten ins Töpfchen – sprich auf die Realschule oder das Gymnasium, der Rest auf die Hauptschule.

Lehrer besser ausbilden

Längst kennen wir die Rezepte, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen. Kleinere Klassen, längere Zeiten gemeinsamen Lernens, Ganztagsschulen, ein Team mit Lehrern, Schulsozialarbeitern, Psychologen, enge Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe und vor allem eine starke Einbeziehung der Eltern. Doch die Schulen und Lehrer sind mit diesen Aufgaben überfordert. Oft fehlen Mittel, Personen und professionelle Kenntnisse, um eine solche Arbeit zu leisten. Wer Lehrer werden will, lernt viele erziehungswissenschaftliche Theorien, aber wenig oder gar nichts über soziale Probleme und soziale Arbeit. Wir müssen Lehrerinnen und Lehrer besser ausbilden, um auf solche Herausforderungen vorbereitet zu sein.

Länderhoheit verhindert abgestimmte Strategien

In der Bildungspolitik dürfen Länder und Bund aus verfassungsrechtlichen Gründen kaum kooperieren. Dieses Verbot verhindert eine gemeinsame Strategie in der Bildungspolitik. Jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen. Es wird zu wenig voneinander gelernt, welche Strategien und Konzepte gut funktionieren. Dabei ist klar, dass Bildungsgerechtigkeit  ein Ziel ist, an dem die ganze Gesellschaft arbeiten muss. Nicht nur wegen des drohenden Fachkräftemangels, sondern um der Kinder willen. Es geht letztlich um ihr Recht auf selbstbestimmte Teilhabe an der Gesellschaft.

Caritas muss Perspektiven bieten

Was die Caritas dazu beitragen kann, diskutieren mehr als 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Caritaskongress in Berlin. Ich bin gespannt, welche Ideen wir dabei entwickeln. Auch für uns muss gelten: Schöne Worte wurden schon viel geredet. Taten müssen folgen. Sonst bleibt selbstbestimmte Teilhabe eine Floskel. Taten brauchen die Kinder, damit sie mehr Auswahl haben, als zu Dieter Bohlen zu gehen, um ein Superstar zu werden oder doch in Hartz IV zu landen.

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2 Kommentare zu “Superstar mit Hartz IV: Arme Kinder brauchen neue Chancen”

  1. Bruno Fischler sagt:

    Wenn also alle Abitur haben, dann haben alle Arbeit?

    Ist es das, was Sie glauben, ja?

    Und wenn alle Arbeit haben, dann haben auch alle Geld, ja?

    Ist es das, was sie glauben?

    Unglaublich!

    bruno fischler

  2. Martin Hillenbrand sagt:

    An viel zu vielen Stellen wird zur Zeit die Hauptschule pauschal schlecht geredet und bekommt dadurch ein Imageproblem angehängt. Leider findet sich diese gängige Formulierung auch in diesem Artikel.

    Es ist zwar richtig, dass Hauptschulen in Großstädten vielfach zu “Restschulen” geworden sind, weil neben ihnen Gesamtschulen faktisch die Rolle der Hauptschule übernommen haben und die Hauptschule in NRW über viele Jahre auch politisch zu wenig gefördert wurde – es ist aber auch richtig, dass an vielen Hauptschulen gute und engagierte Arbeit geleistet wird und im ländlichen Bereich (wie z.B. hier im Münsterland) 30-40% eines Schuljahrgangs (einschließlich Rückwechslern) eine Hauptschule besuchen.
    Auch gibt es zwar Kinder, für die ein Sortieren nach Schulformen am Ende der 4. Grundschulklasse nicht gut passt, aber nach meinen Beobachtungen (Arbeit und Diagnostik in einer Erziehungsberatungsstelle) überwiegen die Kinder, für die es am Ende der Grundschulzeit (ohne Beschleunigung durch Klassenüberspringung oder frühe Einschulung!) ein richtiger Zeitpunkt ist, um in stärker homogene Lerngruppen zu wechseln: Hauptschüler, die zuvor an der Grundschule in der unteren Leistungshälfte lagen, erleben Erfolge durch bessere Noten und Gymnasiasten werden inhaltlich stärker gefordert.

    Längeres gemeinsames Lernen als pauschale Lösung für Probleme in Schulbildung (und später auf dem Arbeitsmarkt) lässt sich aus praktischer Erfahrung also nicht nachvollziehen, kleinere Klassen und individuelle Betreuung dagegen sehr wohl. Im übrigen sollte auch die familiäre Erziehung durch individuell abgestimmte Hilfen und Konzepte gestärkt werden, schulischer Ganztag ist für manche eine passende Lösung, sollte aber nicht zum Zwang für alle werden.

    Unerträglich wird es, wenn ganze Schülergruppen als angeblich Schlechte diskriminiert werden (”der Rest”). Das dahinterstehende Problem ist in Wirklichkeit die verschärfte soziale Konkurrenz, die die gesamte Gesellschaft durchzieht.
    Wir sollten unseren Kindern die Zeit und den Raum geben, die sie für eine gute Entwicklung brauchen – und das heißt vor allem auch, die politisch forcierte, unselige Beschleunigung der Schullaufbahn zu beenden: wenn Kinder am Ende der 4. Klasse gerade einmal neun sind, ist es in der Tat für viele zu früh, eine Entscheidung für die weitere Schullaufbahn zu treffen, für die meisten 10-11jährigen sieht das am Ende einer vierjährigen Grundschulzeit aber anders aus!

    Martin Hillenbrand, Borken (Diplom-Psychologe)