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Die Zerstörung in Haiti ist enorm. Auch 100 Tage nach dem Erdbeben. (c) Caritas international„Mehr als ein halbes Jahr ist seit dem Erdbeben vergangen – warum ist Haiti immer noch ein Land in Trümmern? Sind nicht genug Spenden da, nicht genug Helfer im Einsatz?“ Solche Fragen bekommen wir von Caritas international in letzter Zeit öfter gestellt. Niemand erwartet einen Wiederaufbau über Nacht. Doch so mancher würde gerne schon das eine oder andere neue Haus in Port-au-Prince oder Léogâne stehen sehen. Wenn ich dann erkläre, dass der Wiederaufbau Jahre dauern wird, sind einige irritiert: „Kann denn ein Haus nicht in sechs Monaten gebaut werden?“

Ich erkläre dann, dass dies nicht an mangelnden Spenden oder Helfern liegt, sondern in der Natur der Sache. Von anderen Katastrophen wissen wir: Allein die Beseitigung von Trümmern nach einem starken Erdbeben – und Haiti ist bislang das stärkste überhaupt – kann Jahre dauern. Außerdem bedeutet Wiederaufbau mehr als die Beseitigung von Trümmern und den Bau von Häusern. Es geht um nachhaltige Lebensperspektiven für die Opfer. Wir wollen ihnen helfen, dauerhaft ein menschenwürdiges Leben zu führen. Dazu müssen wir die Menschen in Arbeit bringen, ihnen einen Zugang zu Bildung schaffen und sie psychosozial betreuen. Letztlich geht es um den Aufbau einer neuen Gesellschaft.

Auch die Behörden müssen sich neu organisieren

Sicher kann ein Haus in sechs Monaten gebaut werden. Aber wie viele Schritte sind notwendig, bevor der erste Stein gesetzt werden kann? In Haiti kommt erschwerend hinzu, dass noch immer grundlegende Fragen wie Grundbesitzrechte ungeklärt sind, da die entscheidenden Dokumente durch das Beben zerstört wurden oder verloren gegangen sind. Die örtlichen Behörden müssen erst selbst wieder Strukturen aufbauen. Das verzögert Maßnahmen, die wir alle gerne schneller verwirklicht sähen. Doch kann ein verantwortungsvoller Wiederaufbau nur unter realistischer Berücksichtigung aller Gegebenheiten vor Ort und im Gleichschritt und in Einigkeit mit den landes- und kommunalpolitischen Behörden erfolgen, mit denen unsere Büros in Léogâne und Port-au-Prince bestens kooperieren.

Wir bleiben auch in diesem Fall unseren Prinzipien treu: Caritas international steht für Nachhaltigkeit und nicht für Tageserfolge. Nicht Tempo, sondern Qualität und Haltbarkeit sind die Kennzeichen verantwortungsvoller christlicher Hilfe.

Infos zur Arbeit der Caritas auf Haiti

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2 Kommentare zu “Warum der Wiederaufbau in Haiti länger dauert”

  1. Lb. Herr Müller, herzliche Grüße aus Geisleden. Danke für Ihren Beitrag! Es müsste meiner Meinung nach viel mehr darüber geschrieben werden, um die Öffentlichkeit darüber zu informieren und zu sensibilisieren. Im Blick auf Pakistan machen sich viele Menschen schon Sorgen, aber im Blick auf Haiti heißt es vielmals: “Da geht es doch auch nicht voran! Wer weiß, wo die Gelder landen oder versanden!” Gottes Segen wünschend, Ihr Pfr. GCHaase

  2. Wilfried Wolf sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    während meines Sprachaufenthalts (2010 Sosuá, DomRep)habe ich Kontakt zu Künstlern in einer Haitianer-Siedlung aufgenommen,die in dem Projekt “Esperanza” eingebunden sind. Mit dem Direktor bin ich im Kontakt u. habe einen Vorschlag zur Hilfe unterbreitet. Eine Mitwirkung Ihrerseits wäre ein Gewinn.
    Bei Interesse sende ich Ihnen gerne mein Angebot an “Esperanza” nebst Rückantwort (Email- Text) zu.
    Mit freundlichen Grüßen

    Wilfried Wolf